LEBEN
UND GEISTIGKEIT


         

Der Heilige Bruder Albert - Adam Chmielowski, wurde am 20. August 1845 in Igolomia, Diözese Krakau, geboren. 1863 nahm er am polnischen Aufstand teil. Schwer verletzt und gefangen, wurde ihm ein Bein amputiert. 1884 liess er sich in Krakau nieder, wo er grosses menschliches Elend in den öffentlichen Armenlagern antraf. Er wollte von nun an Armer unter den Armen sein, um die Nächstenliebe des Evangeliums zu bezeugen. 1888 legte er die Gelübte des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus ab und bekleidete sich mit einem demütigen Ordensgewand. Mittels der Hilfe anderer gründete er die Kongregation der Brüder und Schwestern des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus, Diener der Armen, die sogenannten "Albertiner und Albertinerinnen". Am 25. Dezember 1916, dem Tag der Geburt des Herrn, starb er in Krakau.

    
Unter den Aufständischen

    
Unter Geschwistern. Von links: Adam, Stanis³aw,
Marian, Jadwiga


Aus der Predigt des Kardinals Karol Wojty³a zum 50. Todestag des Heiligen Bruder Albert Chmielowski am 23. November 1966.

Bruder Albert Chmielowski war eine sehr vielseitig begabte Persönlichkeit. Er begann als ein hervorragender Maler zu gelten, wurde von vielen bedeutenden Malern unseres Volkes hoch geschätzt, die in der polnischen Kunst immer in Erinnerung bleiben.
Er scheute auch vor keiner Mühe zurück. Das bewies er, als er mit gerade 20 Jahren am Januar-Aufstand teilnahm. Aus Liebe zum Vaterland setzte er alles auf eine Karte. Die Liebe zum Vaterland kennzeichnete ihn mit einem ewigen Stigma: bis zum Tode blieb er behindert, er trug eine Beinprothese.
Ausser seinem reichen Wissen fällt bei ihm vor allem seine reiche Gnade auf. Gottes Gnade bedeutet, dass sich Gott dem Menschen selbst widmet und in seiner Seele Wohnung nimmt. Je mehr Gott sich der Seele widmet, je mehr der Heilige Geist in der Seele des Menschen Raum gewinnt, desto bereitwilliger beugt der Mensch sein Knie. Auf diese Weise ging auch die Seele von Adam Chmielowski vor der unaussprechlichen Göttlichen Majestät und Heiligkeit, vor der Liebe Gottes, auf die Knie.
Gott wirkt auf seltsamste Weise in die Geschichte des Menschen hinein. Indem der Mensch vor Gott auf die Knie sinkt, in gleicher Weise verlangt Gott, dass er ebenso vor seinen Brüdern, vor seinen Nächsten das Knie beugt. So geschah es auch im Leben von Bruder Albert: Vor der Majestät Gottes in die Knie gezwungen, kniete er vor der Majestät des Menschen nieder, vor dem Ärmsten, dem am meisten Behinderten, vor der Majestät des Bettlers.
Vielleicht macht uns dieser Vergleich betroffen. In unserer Zeit sehen wir derart krasse Vorkommen, wie die zum Himmel schreiende Not und die offensichtliche Erniedrigung des Menschen, kaum noch. Und dennoch gibt es sie auch heute noch, nur es fällt uns nicht gleich ins Auge. Es gibt viele menschliche Bedürfnisse, Rufe nach Barmherzigkeit - nicht immer sichtbar und hörbar, aber in der Stille und Verborgenheit. Das sollte uns aber nicht weniger berühren. Denn wie viele Menschen gibt es noch, die in ihren Krankheiten alleingelassen und sogar ohne jegliche Pflege auskommen müssen ? Wie viele Menschen sind alt, hungrig und sehnen sich nach etwas Geborgenheit? Es gibt die Jugend, die in der heutigen Lebensart keinen moralischen Rückhalt für sich findet.
Barmherzigkeit und Christentum sind die grossen Aufgaben unserer Tage. Ohne die Barmherzigkeit - kein Christentum. Im Dienst der Barmherzigkeit sind die finanziellen Mittel nicht das Wichtigste, die Häuser, Anstalten und Krankenhaüser sind auch nicht das Wichtigste, obwohl sie unentbehrliche Mittel sind. Das Wichtige ist der Mensch selbst. Er muss selbst, durch seine menschliche Natur Zeugnis geben. Bruder Albert gilt uns als ein unübertreffliches Vorbild. Er verfügte über fast keine finanziellen Mittel, keine konkrete Institution stand ihm zur Seite - er beschloss sich selbst zu opfern. Darum ging er vor dem enterbten Menschen auf die Knie, und opferte sich selbst. Und er tat es bis ans Ende seiner Tage; er tat es mit allen seinen Kräften. Es war der Ausdruck seines Glaubens und seiner Liebe. Dieser Ausdruck seines Glaubens und seiner Liebe ist für uns von unschätzbarem Wert, so wie er auch unschätzbar vor Gott ist. Es ist nötig, dass unsere menschliche Natur sich wieder neu auf den Menschen hin orientiert, auf seine Bedürfnisse, sein Unglück und Leiden. Damit der Mensch bereit ist durch sich selbst Zeugnis zu geben, mit bloßen Händen und vollem Herzen. Diese Gabe bedeutet nämlich mehr als volle Hände und grosse Mittel. "Denn am grössten unter ihnen ist die Liebe".

    
Heiligsprechungbild
Die Albertinerinnen
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Józefa Borzys³awska Chmielowska
- Mutter von Adam Chmielowski
Wojciech Chmielowski
- Vater von Adam Chmielowski

Adam mit seinem Bruder Stanislaw und seiner Großmutter Józefa Borzys³awska.

Student
Maler

Apostel in Podole (1882-84)
Bruder Albert - Foto im 1915 Jahr ID